Friedhof des Lagers

Hamelin, Gaston


Adresse im Lager: Baracke 146 Süd

Nationalität: Frankreich

Emile Gaston Hamelin wurde am 27. Mai 1884 in Saint-Georges-sur-Baulche in Frankreich geboren. Höhepunkt seines Musikstudiums war 1904 der  Gewinn des ersten Preises am Pariser Konservatorium in der Kategorie Klarinette. Im ersten Weltkrieg wurde er aus der Reserve eingezogen und diente als Soldat beim 269. Infanterie Regiment. In Gefangenschaft geriet Gaston Hamelin im August 1914 bei der Einnahme der Stadt Quesnoy durch deutsche Truppen. Ende Dezember 1914 wurde dem Roten Kreuz sein Aufenthaltsort im Gefangenenlager Güstrow angezeigt, vermutlich war er aber schon seit Oktober 1914 in diesem Lager. Gaston Hamelin gehört neben Marc de Ranse, George Melik und Victor Sviridenko zu den musikalischen Leitern und Ideengebern hinter den zahlreichen Musikkonzerten im Lager, deren Erlös an bedürftige Mitgefangene ging. Wie andere dauerhaft im Hauptlager untergebrachte und zumeist kranke Gefangene, gehörte auch Hamelin zu jenen die im Juni 1918 in die Internierung in die Schweiz gelangten. Hamelin litt an Neurasthenie (Nervenschwäche). Er wurde in Genf untergebracht, von wo aus er im November 1918 in die französische Heimat repariiert wurde. Dort setzte er seine Karriere als Klarinetten-Solist fort und erlangte mit der Interpretaion von Musik von Claude Debussy einige Bekanntheit. 1926 zog er mit seiner Familie nach Amerika und wurde erster Klarinettist beim Boston Symphony Orchestra (BSO). Als 1932 sein Vertrag wegen Unstimmigkeiten mit dem Dirigenten Serge Koussevitzky nicht verlängert wurde, zog Hamelin wieder nach Frankreich. Dort verdiente er sein Geld wieder als Solist und vor allem als Privatlehrer. Er veröffentlichte auch Übungsstücke für Klarinette. Hamelin gilt als Begründer der sogenannten Amerikanischen Klarinetten Schule die sich über seine Schüler verbreitete. Er soll damit massgeblichen Einfluss auf die Spielweise dieses Instruments in Amerika gehabt haben. Hamelin starb 1951.

Quelle:  Archives de la mairie de Paris - Registres matricules du recrutement / ICRC-link / ICRC-link