Ereignisse
Im Juli 2007 wurde die Kaserne 2 vollständig abgerissen. Die Kaserne war nach 1945 zu Wohnungen umgebaut worden. Schon damals hatte man die Verbindungsbauten zwischen den 3 Haupttürmen entfernt, so dass 3 einzelne Gebäude entstanden waren. Diese unter Adresse Neukruger Strasse 65, 66 und 67 bestehenden Wohngebäude waren nach der Wende nur schwer zu vermieten gewesen; der Sanierungsrückstau und ein Überangebot an modernerem Wohnraum in Güstrow führten schließlich zum Abriss des historischen Bauwerks aus der Güstrower Militärgeschichte.

Ansicht um 1896
Die Stadt Güstrow blieb während des II.Weltkrieges, anders als die weiter nördlich gelegene Hafen- und Industriestadt Rostock, von großen Bombenangriffen weitgehend verschont. Der einzige großangelegte Luftangriff auf Güstrow erfolgte am 7. April 1945, ansonsten kam es nur zu gelegentlichen Angriffen durch Tiefflieger und Nachtjäger z.Bsp. auf das Bahnhofsareal.
Die Ausführung dieses Luftangriffs oblag der 1942 gegründeten Unites States 8th Air Force. Die Ziele dieser Mission sind typisch für die letzten Kriegstage: man konzentrierte sich auf Flugplätze und Munitionsdepots um damit den Nachschub für die verbliebenen deutschen Truppen zu stören. Ziele dieser Mission 931 waren die Flugplätze bei Kaltenkirchen und Parchim, ein Öl-Depot bei Büchen, eine Munitionsfabrik bei Düneburg, das Munitions-Depot bei Güstrow und weitere ähnliche Objekte. Als Ausweichziele, sogenannte Secondary Targets, wählte man u.a. den Güterbahnhof Schwerin, den Rangierbahnhof von Neumünster und einen Flugplatz bei Salzwedel.

schematische Übersicht der Ziele der Mission 931 vom 7. April 1945 (schraffierte Pfeile)
Insgesamt starteten am Morgen dieses 7. April 1945 1304 Bomber B-17 und B-24 in Begleitung von 792 Mustang- sowie 58 Thunderboltjägern mit etwa 14.000 Mann an fliegendem Personal von Stützpunkten in Südengland zu einem der letzten Einsätze dieser Größenordnung auf Deutschland. Es ging über die Nordsee in Richtung Deutschland, wo das Steinhuder Meer angesteuert wurde. Hier teilten sich die Maschinen auf und flogen ihre Einsätze in Richtung Sachau, Stendal, Gardelegen, Dömitz, Parchim, Güstrow und Neumünster. Diese Mission erlangte nach dem Krieg eine gewisse Bekanntheit, weil die deutsche Luftwaffe an diesem Tag das einzige Mal das sogenannte Sonderkommando Elbe gegen die amerikanischen Flugzeuge einsetzte. Die 184 Jadgflugzeuge dieses Kommandos sollten gegnerische Bomber durch Rammen in der Luft vernichten. Bei den Maschinen wurden die Waffen, die Panzerung um den Pilotensitz, der Sender und anderes entfernt. Es verblieb nur ein 13-mm-Maschinengewehr mit 50 Schuss Munition. Dies geschah, um die Flugzeuge leichter und wendiger zu machen, um die Gipfelhöhe auf 10.000 m Höhe zu erweitern und um Material zu sparen. Die deutschen Rammjäger unterschieden sich von den japanischen Kamikaze durch die theoretische Möglichkeit, nach dem Zusammenstoß mit dem Fallschirm aussteigen zu können. Das Rammen selbst war als einzige Möglichkeit vorgesehen, da die Rammflugzeuge praktisch keine Bewaffnung zum Führen von Luftkämpfen hatten. Über dem Steinhuder Meer wurden auf diese Weise 23 Bomber der Mission 931 zum Absturz gebracht.
Die für die Angriffe in Mecklenburg vorgesehenen Flugzeuge des 4th und 93d Combat Bombardment Wing erreichten ihr Zielgebiet ohne große Verluste. Der Angriff auf den Flugplatz in Parchim musste jedoch wegen einer zwischenzeitlich aufziehenden Wolkendecke abgebrochen werden, so das ein Teil der Bomber als Ausweichziel den Schweriner Güterbahnhof ansteuerte. Allerdings wurde dieses Ziel völlig verfehlt und statt dessen ein Wohngebiet in der Feldstadt getroffen. Dabei kamen 224 Schweriner ums Leben.
Gegen 13:40 Uhr erreichten 108 Bomber des Typs Boeing B-17 Flying Fortress Güstrow. 4 vorausfliegende sogenannte Pathfinder Maschinen markierten mit Magnesium Leuchtzeichen das Zielgebiet. Insgesamt wurden 1084 Bomben zu 250 kg und 500 kg auf das Heereszeugamt in Primerburg abgeworfen, welches völlig zerstört wurde. Es wird vermutet, dass eigentlich auch die Munitionsfabrik (MUNA) Ziel des Angriffs sein sollte; die lag aber gut getarnt im PRIMERWALD und wurde nicht getroffen. Auch die Gleisanlagen der nahe vorbeiführenden Bahnlinie nach Neubrandenburg und Pritzwalk, sowie der Bahnhof PRIMERBURG wurde stark beschädigt. Auch ein Personenzug mit Beschäftigten der MUNA geriet in den Angriff, es gab auch hier zahlreiche Tote und Verwundete. Die Isolatoren und Kabel der nahegelegenden Hochspannungsleitung wurden ebenfalls durch Bombensplitter zerstört und so die Stromversorgung der Stadt unterbrochen. Exakte Angaben zu Toten und Verletzten liegen derzeit nicht vor.

amerikanische Luftbilder vom Angriff auf Primerburg


Gestern wurden die letzten Hände an die Ausschmückung der Stadt gelegt, heute erscheint sie im Festgewande. Fahnen in den Landes- und Reichsfarben zieren die Strassen der Stadt und den Marktplatz, auf dem hohe mit Guirlanden geschmückte Fahnenstangen angebracht sind, dasselbe ist auf dem ganzen Wege bis zum Bahnhof der Fall. Wie die Front des Rathhauses tragen auch die Kasernen Decorationen von Guirlanden und mehrere Geschäftsinhaber haben ihre Schaufenster besonders geschmückt. - Heute treffen die Gäste ein, deren Zahl, wenn sie auch nicht ganz so gross ist, als erwartet wurde, immerhin nicht gering ist, da sich unter den Gästen allein nahezu 100 auswärtige Offiziere befinden. An dem Fest nimmt auch der kommandierende General des 9. Armee-Corps, Graf von Waldersee, theil, ferner von Generalen: General der Artillerie v. Lewinski-Burgwitz - ehemaliger Commandeur des Regiments -, General-Lieutenant z.D. v. Petersdorff-Schwerin, General-Lieutenant z.D. v. Kossel - Rostock, General-Lieutenant v. Herwarth - Schwerin, General-Major v. Matzahn - Schwerin, General-Major v. Wietzendorf - Ludwigsburg und General-Major v. Gilsa - Gotha, ebenfalls früherer Regiments-Commandeur.

Wir heissen die Gäste, die hier eintreffen, herzlich willkommen und hoffen, dass ihnen die Jubeltage des Regiments in steter und freudiger Erinnerung bleiben werden. - Nachdem schon im Laufe des gestrigen Tages eine Anzahl Offiziere und Veteranen pp. zum bevorstehenden Regimentsjubiläum eingetroffen waren, gestaltete sich von heute morgen ab auf dem Bahnhofe ein reges Treiben, da die eingeladenen Gäste in grosser Zahl , aus allen Richtungen kommend, angelangten und von Commissionen, bestehend aus Officieren, Wachtweistern, Unterofficieren und Mannschaften, sowie der Einquartierungs-committe empfangen und mittels Wagen nach der Kaserne befördert wurden, woselbst ihnen Quartierbillets, Festabzeichen und Programme ausgehändigt wurden. Heute Nachmittag 4 Uhr findet die Begrüßung der Angekommenen auf der Kaserne statt.
Eine Generalprobe des Reiterfestes, welches zur Feier des 25jährigen Bestehens des Holsteinischen Feldartillerie Regiments Nr.24 heute Abend stattfindet und den Höhepunkt des Festes bildet, wurde gestern Abend bei voll besetztem Hause in der Reitbahn der 3. Abtheilung abgehalten. Die Reitbahn war gegen sonst wie verwandelt, sie trug das Gepränge eines festen Circus und unterschied sich von dem demselben nur durch den festlichen Schmuck, in den sie gekleidet war. Am Ende der Reitbahn war eine grosse Manège errichtet und vor derselben terrassenartig bequeme Sitzplätze bis zum Eingang der in hellem Lichterglanz erstrahlenden Reitbahn aufgebaut. Schon lange vor dem Beginn der Generalprobe waren die Plätze besetzt. Das Musikcorps des Regiments füllte die Zeit bis zum Beginn der Vorstellung durch Musikpieçen, von einem für dasselbe besonders errichteten erhöhten Podium aus. Die prächtige Ausstattung der Reitbahn und ihr circusartiger Charakter spannten unsere Erwartungen über die kommenden Darbietungen des Abends höher als vorher und dies wohl ganz mit Recht, denn bei dieser Einrichtung der Reitbahn musste die Phantasie eines Jeden sich zweifellos der Leistungen irgend eines renommierten Circus erinnern.Wir erwarteten also nicht wenig und dennoch wurden unsere Erwartungen von den Darbietungen noch bedeutend überholt.
Das Fest kündigte ein Herold - Herr Sec.-Lt. Jebens - im prächtigen Gewand, der in Begleitung von 6 blasenden Trompetern erschien, mit einem mit markiger deutlicher Stimme vorgetragenen Prolog an, der folgendermassen lautete:
Ein Zeitraum liegt heut hinter uns von 25 Jahren, ein Menschenalter fast - voll Freud und Leid
Wo unser Regiment in mancherlei Gefahren fest stand,
ein Hort des Königs, treu dem Fürsten, treu dem Eid!
Zwar war's nicht allen Batterien vergönnt, mit Lorbeer sich zu schmücken,
nicht sprach in Schlachten aller Geschütze eherner Mund,
Doch das fühlt jeder von uns mit Entzücken: Wenn unser Kaiser ruft, wird er uns ins Gesammt erblicken.
In erster Reih' vorm Feind zu jeder Stund !!
Ja, "Hort des Königs" können wir mit Stolz uns nennen,
Wir schützen unser Vaterland im Frieden wie im Streit,
kein Feind wollt' mit uns je im Kampf entbrennen,
es schreckte jeden unsre Treu und Festigkeit.
Und das soll sich von neuem heute offenbaren
wie leicht man uns auch oft zu trennen meint',
dass auch nach 25 langen Jahren die gleiche Treue alle uns vereint!
Ob Jahre schwinden, ob Jahrzehnte auch vergehen
mag alles wanken, stürzen oder fallen
das Eine bleibt unwandelbar bestehen:
Die Treue bis zum Tod bei uns Soldaten allen!
Wie eng die Kameradschaft uns verbindet,
das sehn wir aus der lieben Gäste Schaar.
Der Regimentsruf hat bei jedem gleich gezündet,
der mit Begeistrung Vierundzwanziger einst war.
So lasst unst fröhlich unser Fest begehen
und weil es stets im Regiment war Brauch,
dass frischer Reitergeist drin that bestehen,
so wollen wir es heut beginnen auch
mit einem Reiterfestspiel, damit ihr erkennt:
Es stirbt der frische Geist nie aus im Regiment!

Hierauf wurde dem Auge eine Quadrille, geritten von 12 Unterofficieren der 1. Abteilung in Uniform, geboten. Was hier geleistet wurde, musste jeden befriedigen. Alles ging tadellos, die Pferde parirten vorzüglich und alle Touren der Quadrille, auch die letzten beiden, wohl die schwierigsten von allen, gelangen vorzüglich. - Dann erschien Ms. Jacquin auf trabendem Pferde. Herr Premier-Leutnant v. Lochow stellte sie dar und nahm sich in der kurzen herrlichen Kunstreiterinnentracht auf dem Pferde ganz nett aus, zumal er es verstand, auch ganz allerliebste graziöse Bewegungen zu machen. Seine Leistungen als Ms. haben überrascht; er schenkte sich nichts von dem, was sonst eine perfecte Kunstreiterin bietet, und sprang daher auch ganz gewandt vom trabenden Pferde aus über Fahnen hinweg. Dass der "dumme August" - eine während des ganzen Abends gut gelungeen Figur - der Ms. eine stumme Liebeserklärung machte, konnte daher Niemand Wunder nehmen, doch war seine Neigung zu der Ms. keine tiefe, denn als er plötzlich gewahrte, dass ihm ein Finger fehlte, war seine Liebesneigung dahin. - Auch die Fahrschul, die von den Herren Prem.-Lt. Selkmann, den Sek.-Lt. v.l.Fort, Schmidt und v. Zitzewitz geritten wurde, war eine volle mustergiltige Leistung. Dass und wie sie angesprochen, bewies der wiederholte Beifall, der übrigens auch keiner der übrigen Darbietungen fehlte. - Gute tüchtige Leistungenwurden von einzelnen Mannschaften in Turn- und Voltigir-Uebungenen geboten, besonders vorzüglichen Leistungen am sogen. Pferd und am Reck. Unerwartet kamen die stets gelungenen Sprünge, so setzten einigen Mannschaften über 1, 2 und schliesslich über 3 lebende Pferde hinweg. hier besonders zeigte auch ein Clown mit vielem Geschick seine Kunst und rief immer grösste Heiterkeit hervor. Ganz reizvoll war das von den Herren Seconde-Lieutenants v. Bonin, v. Weltzien und v. Hartmann gerittene Schleifenspiel - jeu de rose genannt -, in dem es sich darum handelte, dass die an der Schulter eines der Reiter befestigte Schleife von irgend einem der beiden anderen Reitergenommen wurde, der dann wieder seinerseits die Person abgab, nach der gejagt wurde. - Darauf ergötzte sich das Auge an einer zweiten Quadrille, geritten von den Herren Hauptlauten v. Fumetti und v. Rosenberg, Prem-Lieutenants v. Oertzen, v. Blessingh, Selkmann und v. Weltzien, Seconde-Lieutenants Jebens und Schmidt. Die Reiter erschienen in der kleidsamen Tracht der Artillerie-Officiere aus der Zeit Friedrich des Grossen und boten in den verschiedenen, durchweg gelungenen, elegant und schneidig gerittenen Touren ein prächtiges und in Folge der herrlichen Uniformen auch farbenreiches Bild dar. - Dem Humor wurde durch die vorletzte Nummer, einer Jahrmarktsscene, Rechnung getragen. Hier war alles zu finden, was zur Belebung eines Jahrmarktes beiträgt. Ess- und Spielbuden, Sehenswürdigkeiten, Kletterstangen, Gaukler, fahrende Künstler aller Art, ein urgelungener Polizist, tanzende Paare, ein närrischer Engländer und ein Italiener mit einem tanzenden Bären, der sich schliesslich von seinen Ketten losriss und das Weite suchte.Auf ihn wurde eine grosse Parforcejagd veranstaltet, im rasenden Galopp sprengten die Jäger ihm nach, umritten die Reitbahn und durchjagten immer und immer wieder die Manège, über Hürden hinweg, bis endlich der Bär erlegt wurde und vor den triumphirenden Jägern als Jagdbeute lag. Zum Schluss fuhr eine Batterie auf und feuerte. - Das ganze Reiterfest ist ein durch und durch gelungenes zu nennen. Die Nummern folgten in rascher Reihenfolge auf einander, nicht die geringste Stockung trat ein. Das ganze Arrangement liess die geschickte Leitung erkennen, die sich der zeifellos mühevollen Aufgabe unterzogen, ein so abgerundetes Fest zu bieten.
Quelle: Güstrower Zeitung vom 29. Oktober 1897, Seite 2 - Original und Verfilmung im Stadtarchiv Güstrow


