WARUM ALSO DIESE SEITE ?

Begonnen hat mein Interesse für alte Postkarten und Ansichten meiner Heimatstadt Güstrow auf dem Dachboden des Hauses meiner Großeltern. Bei einer meiner Stöbertouren durch die verstaubte Vergangenheit dieses Gebäudes entdeckte ich eines Tages auch ein altes Postkartenalbum. Es enthielt in erster Linie Karten, die mein Urgrossvater in den Jahren 1900-1902 an seine damalige Liebste in Rendsburg sandte. Selbige wurde dann später seine Frau und meine Urgrossmutter. Neben allen möglichen Orten, an denen er wohl seinen Militärdienst verrichtete, waren eben auch etliche Postkarten seiner Heimatstadt Güstrow darunter. Irgendwie faszinierte mich dieser Blick auf das damalige Aussehen der Stadt und die Möglichkeit des Vergleichs mit dem heutigen Anblick der Strassen, Häuser und Sehenswürdigkeiten. Nach und nach kamen immer mehr Stücke dazu. Aber was nützt so eine Sammlung, wenn sie nur versteckt im privaten Hinterzimmer rumliegt? Damit auch andere die Möglichkeit des Vergleichs und der Erinnerung an vergangene Tage haben, gibt es diese Seite. Ergänzt wird das Ganze durch einige Fotografien aus dem Nachlass meines Grossvaters, der mehrere Jahre Stadtbaudirektor Güstrows war. Später führte er als Bauleiter die erste grundlegende Rekonstruktion des Schlosses in den 50er und 60er Jahren in einer für historische Bauten schwierigen Zeit maßgeblich zum Erfolg. Mittlerweile hat sich das Ganze zudem auch etwas in die Umgebung der Stadt ausgedehnt; auch von etlichen Orten in der Nachbarschaft von Güstrow finden sich hier alte Ansichten. Auch zu einigen Fotografen und Druckfirmen für Ansichtspostkarten hält die Seite Hintergrundinfos bereit.

An dieser Stelle vielleicht noch etwas zur:

GESCHICHTE DER POSTKARTE

Erste Ideen zur Einführung einer Postsendung ohne Umschlag gab es bereits 1865, aber der Widerstand der Bevölkerung und der zuständigen Postministerien gegen diese Art der für jeden lesbaren Nachricht führte dazu, daß erst 1870 die "Korrespondenzkarte" zugelassen wurde. Damit wurde eine völlig neue Art der Kommunikation geschaffen. 1872 wurden dann privat gedruckte Postkarten für den Postverkehr zugelassen. Die Bildpostkarte wurde sehr schnell zum industriell gefertigten Massenartikel. Die wirklich grosse Zeit der Postkarte kam dann zwischen 1897-1918. Eine sich ausbreitende Sammelleidenschaft führte zu einem rasanten Wachstum der Druckindustrie und schon 1899 wurden 88 Millionen Ansichtskarten produziert, Sammelstoff für unzählige Sammlervereine, selbst Zeitschriften für Postkartensammler erschienen. Mit 1,16 Milliarden allein in Deutschland produzierten Postkarten war 1904 das absolute Spitzenjahr. Bis 1905 durfte auf der motivlosen Seite nur die Anschrift stehen. Eigentlich war also kaum Platz für Mitteilungen denn es konnte ja nur die Bildseite beschrieben werden. Auf vielen Karten aus dieser Zeit wurde deshalb von den Druckern auf der Bildseite ein schmaler Streifen oder eine Ecke Platz für die "Tausend Grüsse und Küsse" frei gelassen. Wer damit nicht auskam, schrieb oft einfach über das Bildmotiv. Erst 1905 wird die geteilte Rückseite, für Mitteilungen an den Empfänger, von der Postverwaltung zugelassen. Auch die Drucktechnik entwickelte im Zuge dieser Massenproduktion zahlreiche neue Druckverfahren. Anfangs wurden die Karten noch in einem teuren und sehr aufwendigen Druckverfahren hergestellt. So musste bei der Lithographie für jede gewünschte Farbe ein Stein oder eine Platte präpariert und somit oftmals bis zu 16 mal übereinander gedruckt werden, was natürlich eine sehr genaue Justierung der einzelnen Platten voraussetzte. Betrachtet man ein solches Farblitho unter der Lupe, sieht man, wie sich jede einzelne Farbe aus mehr oder weniger regelmäßigen Strichen zusammensetzt. Mit dem Fortschreiten der Drucktechnik wurde das Publikum mit immer neuen Kreationen überrascht. Einzelne Bildteile die besonders hervorgehoben werden sollten, wurden zusätzlich geprägt (Präge- oder Reliefkarten) oder mit Glimmer oder Stoffapplikationen versehen. Und natürlich verdrängte die sich entwickelnde Fotografie schnell die gezeichnete Sehenswürdigkeit; zunächste in Schwarz-Weiss, aber im Laufe der Zeit auch durch mit in unterschiedlichsten Verfahren colorierten Fotokarten. Das Ende das I.Weltkriegs bedeutete zugleich auch das Ende des grossen Sammelbooms; die wirtschaftlichen Schwierigkeiten führten zu schlechteren Druckqualitäten und mit dem Telefon kam eine schnellere und auch billigere Kommunikationsmöglichkeit auf.

Vor diesem geschichtlichen Hintergrund ist es natürlich unklar, wieviele verschiedene Postkarten von Güstrow im Laufe der Jahre überhaupt produziert worden sind. Besonders häufig sind natürlich jene mit markanten Sehenswürdigkeiten; so wurde beispielsweise das Schloss aus allen nur denkbaren Richtungen abgebildet. Viel interessanter sind natürlich die selteneren Ansichten der Nebenstrassen. Hier kam es ja auch im Laufe des Jahrhunderts zu den grössten Veränderungen im Stadtbild.

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