Der PRIMER oder PRIMERWALD liegt im Osten von Güstrow. Erstmals urkundlich erwähnt wird der PRIMER bereits 1228 als ein zwischen der Stadtfeldmark Güstrow und den angrenzenden Feldmarken DEHMEN, GREMMELIN und KLUESS liegendes Waldgebiet. Mindestens seit 1305 ist dieser Wald auch im Besitz der Stadt Güstrow, die damit auch die Nutzungsrechte erlangte. Um Holzeinschlag, Jagd und Viehweidung zu kontrollieren, wurden zwei Holzwärterhäuser mit kleiner Landwirtschaft eingerichtet. Der westliche Forsthof trägt den Namen PRIMERBURG und der östliche, am Tiefen-See gelegene, den Namen OEVELGÖNNE. Mindestens seit 1685 ist die Verpachtung diese Forsthöfe an wechselnde Holzwärter belegbar. Ende des 19. Jahrhunderts legten sich diese Holzwärter einen zusätzlichen Nebenerwerb zu, indem sie begannen vorbeiwandernde oder fahrende Gäste zu bewirten. Ab 1887 gab es mit Inbetriebnahme der Nebenbahnlinie nach PLAAZ einen eigenen Haltepunkt PRIEMERBURG. Wegen der nun guten verkehrstechnischen Anbindung an Güstrow entwickelte sich vor allem OEVELGÖNNE zu einem beliebten Ausflugsziel der Güstrower Bürger. 1934 wurde das Waldgebiet durch den Reichsfiskus der Stadt Güstrow abgekauft. In den folgenden zwei Jahren wurde versteckt im Wald eine Heeresmunitionsanstalt (kurz MUNA) erbaut. Südlich des Bahnhof PRIEMERBURG entstand Ende der 1930ger Jahre das Heereszeugamt V, dessen Gelände am 7. April 1945 Ziel des einzigen großen, alliierten Luftangriffs auf Güstrow war. Später baute man dort die u.a. eine neue Zuckerfabrik, die aber 2009/10 auch vollständig demontiert wurde. Aufgrund der intensiven Kriegswirtschaft ab 1934 wurde der PRIMER Sperrgebiet und war für die Güstrower Bürger nur noch in den Randzonen betretbar. Das blieb auch nach dem II.Weltkrieg so. Das Waldgebiet blieb fest in der Hand der Militärs; zeitweise unter Kontrolle der DDR-Truppen; vor allem aber durch die Stationierung von sowjetischen Streitkräften im PRIMER, für die das Objekt umfangreich ausgebaut und vergrössert wurde. Erst mit ihrem Abzug im Mai 1991 war PRIMER kein militärisches Sperrgebiet mehr.  Trotzdem sind auch heute weite Teile des Waldes immernoch gesperrt, vor allem wegen der nach 60 Jahren militärischer Nutzung immernoch möglichen Gefahren durch Munition und Sprengstoffe im Boden. Auch die Schreibweise scheint bis heute umstritten: immer wieder tauchen in Karten und Texten Versionen mit und ohne "ie" auf: also PRIMER oder PRIEMER.

Ansichten:
1900 - Holzfäller
1917
1917 - Bahnhof Primerburg
1920 - Bahnhof Primerburg

 

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