1914, kurz nach Beginn des I. Weltkriegs, begann man mit dem Aufbau eines grossen Kriegsgefangenlagers auf dem Gelände des Exerzierplatzes GROSSER BOCKHORST an der Straße nach Glasewitz (Befehl vom 20.09.1914). Es handelte sich dabei um ein sogenanntes Mannschaftslager für  Soldaten und Unteroffiziere, für Offiziere höherer Ränge wurden besondere Lager ( u.a. in Bad Kleinen) eingerichtet. Dieses dem IX. Armeekorps in Hamburg-Altona unter dem Kommando von Ferdinand Ludolf von Quast zugeordnete sogenannte Kriegsgefangenen-Stammlager trug die offizielle Bezeichung IX. A.- K.  (27 - 04 / 402) .  Die deutschen Behörden waren am Beginn des Krieges mit einer überraschend großen Zahl an Gefangenen konfrontiert, weshalb die Unterbringung zunächst als eine Art provisorisches Sommerlager in Zelten bzw. Zeltbaracken erfolgte. Im Lager wurden vor allem französische, belgische, englische und eine grosse Zahl russischer Kriegsgefangener festgehalten. Die Angaben über ihre Anzahl im Güstrower Lager schwanken zwischen 10.000 und 25.000. Sichere Zahlen gibt es nur für einzelne Nationalitäten: So waren im Juli 1915 etwa 1.800 Belgier im Lager untergebracht. Registriert waren in der Lagerkartei über 50.000 Gefangene, wobei von dort aus auch die zahlreichen Arbeitskommandos und Aussenlager im Grossraum Mecklenburg verwaltet wurden. Der Abschlussbericht der belgischen Generalversammlung vom 10.10.1918 gibt die Zahl der in Güstrow und seinen Aussenstellen internierten Kriegsgefangenen mit 67.785 Personen aus 11 Nationalitäten an. Offiziell wurde das Lager später auch als Durchgangslager geführt; so gibt es Berichte, dass viele Gefangene nur einige Wochen in Güstrow blieben und dann von hier u.a. nach Schleswig-Holstein weiterverteilt wurden. Die erste Gefangenen kamen im Oktober 1914 nach Güstrow und wurden zunächst in Zelten untergebracht. Die gefangenen Soldaten kamen am Bahnhof PRIMERBURG an und mussten dann einen Fußmarsch bis zum etwa 2 Kilometer entfernten Bockhorst machen. Dem Lager fehlte anfangs jegliche Infrastruktur, weshalb die Lebensbedingungen zunächst sehr hart waren. Die Gefangenen selber begannen mit dem Aufbau der Holzbaracken. Erst mit Beginn des Jahres 1915 standen für die Unterbringung der Gefangenen mindestens 150 feste Holzbaracken (teilweise von Aussen mit Teerpappe verkleidet) und die übrigen technischen Versorgungseinrichtungen des Lagers zu Verfügung. Andere Quellen gehen von etwa 250 Baracken aus, die mit Unterstützung diverser Güstrower Holzwerke erbaut wurden. Jede Baracke war in der Mitte nochmals unterteilt und verfügte so über zwei Eingänge. Diese festen Baracken waren etwa 10 m breit und 50 m lang, ein kleinerer Typ war 10 m x 20 m groß. Sie sollen zwischen 50 und 100 Gefangenen beherbergt haben (andere Quellen sprechen von bis zu 250 Gefangenen pro Baracke). Die Einrichtung bestand wohl nur aus einem Minimum an Möbeln: den Doppelstockbetten, ein paar Tischen und Bänken und zwei Kanonenöfen für die Beheizung. Geplant worden war zunächst eine Kapazität von 10.000 Gefangenen. Diese Zahl war bei Fertigstellung der ersten Holzbaracken im November 1914 aber schon erreicht. Und so blieb zumindest ein Teil der Zeltunterkünfte noch längere Zeit in Benutzung. Das gesamte Lager war in einen Nord- und einen Südteil getrennt. Im Nordteil lagen die älteren und einfacheren Unterkünfte, während im Südteil die neueren und komfortableren Baracken der späteren Bauphase lagen. Zu den ersten Bauten zählte auch ein 2,6 Kilometer langes Anschlußgleis von der regulären Bahnlinie bis in das Lager hinein. Es diente zunächst der unkomplizierten Anlieferung der Baumaterialien und später der Lagerversorgung. Die im Laufe der folgenden Jahre entstandenen besonderen Gebäude und Einrichtungen des Lagers sind auf den zahlreichen Postkarten recht gut dokumentiert; u.a. gab es innerhalb des Lagers eine Schmalspur-Feldbahn zum Transport der Nahrungsmittel, des Feuermaterials und der Abfälle, die vom Lageranschlussgleiss der regulären Bahnlinie das gesamte Lager durchquerte. Eine kleine benzolgetriebene Lokomotive brachte die Loren der Feldbahn bis ins Lager wo sie dann per Hand weiterverteilt wurden. Da es auch eine Aufnahme mit einem kleinen Zug mit Tankwagen gibt, wurde vermutlich auch das Trinkwasser für die Küche auf diesem Wege ins Lager gebracht. Es wurde aber wohl auch eine Brunnenanlage gebohrt, deren Wasser in einem kleinen Wasserturm gespeichert wurde. Die Soldaten setzte man in Norddeutschland häufig als Erntehelfer in der Landwirtschaft, aber auch in der Forstwirtschaft beim Holzeinschlag und der Urbarmachung von Waldflächen ein. Auch im Baugewerbe wurden sie gerne beschäftigt, besonders bei der Errichtung von Kanälen und Wegen. Auch die Trockenlegung von Mooren war ein Betätigungsfeld; so unter anderem in Göldenitz bei Rostock. Diese eher gemeinnützigen Arbeiten wurden im Laufe des Jahres 1915 immer mehr von Arbeitseinsätzen in der privaten Wirtschaft abgelöst. Schließlich fehlte dem Deutschen Reich eine große Zahl Arbeitskräfte die mittlerweile an der Front kämpften. Für Mecklenburg bedeutete dies in erster Linie den Einsatz als Hilfskraft in der Landwirtschaft. Die Verteilung erfolgte auf Antrag über die zuständigen Magistrate, Kloster- oder Ritterämter. Dies führte im Laufe des Jahres 1915 zu einer Entlastung des grossen Stammlagers in Bockhorst, da viele Gefangene nun nahe der Arbeitsstätte in kleinen Lagern untergebracht wurden. So arbeiteten im September 1915 im Aushebungsbezirk Doberan an 115 verschiedenen Stellen Kriegsgefangene, im Bereich Güstrow gab es 90 verschiedene Arbeitsstellen. Die ersten 5 Arbeitsstunden täglich wurden nicht entlohnt; erst für jede Stunde darüber gab es 10 Pfennig, die an die Kommandantur des Gefangenenlagers gezahlt wurden. Der Verpflegungssatz im Lager betrug 60 Pfennig und eine tägliche Brotration von 500 Gramm. Der Besitz von deutschem Geld war den Gefangenen verboten, weshalb es eine eigene Lagerwährung gab. Wenn die Gefangenen für Arbeiten ausserhalb des Lagers vermietet wurden, war der jeweilige Arbeitgeber für ihre Versorgung und Unterbringung zuständig. Im Lager zurück blieben lediglich die für den Betrieb und die Verwaltung nötigen Kräfte und vor allem die arbeitsunfähigen Gefangenen. Auch die Zahl Letzterer war nicht unerheblich, da es seit Anfang 1915 immer wieder zum Ausbruch verschiedener Seuchen kam. Damit sich diese Seuchen nicht ausserhalb des Lagers verbreiteten, erteilte die Militärbehörde im Ausbruchsfall keine Arbeitsfreigabe mehr. Das führte im Sommer 1915 dazu, dass keine vermittelbaren Arbeitskräfte zu Verfügung standen; trotz weiterer grosser Nachfrage. Neu eintreffende Gefangene mussten erst entlaust, registriert und ggf. in Quaratäne bis sie einsatzfähig waren. So konnten im März 1916 zur Frühjahrsbestellung in Mecklenburg Gesuche von Landwirten nach etwa 7.000 Hilfsarbeitern nicht erfüllt werden. Auch 9 Mecklenburgische Zuckerfabriken setzten für ihre Verarbeitungskampagnen auf Kriegsgefangene. Zunächst galt eine Art Mindestabnahme von 30 Gefangenen um den Einsatz der Bewachungsmannschaft zu rechtfertigen. Für die Rittergüter war diese Grössenordnung kein Problem. Da aber auch zunehmend Klein- und Kleinstbetrieb auf die Hilfskräfte angewiesen waren, wurde diese Regelung weiter gelockert: Offiziell auf Trupps zu 10 Mann; inoffiziell wurde durchaus auch die Überlassung von Einzelpersonen praktiziert.

 

 

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