Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 kam es zu einer massiven Aufrüstung und damit auch zu einem grundlegenden Aus- und Umbau der Rüstungswirtschaft. So sollten zum Beispiel Rüstungsbetriebe in weniger besiedelten Gebieten versteckt werden. Auch die Stadt Güstrow war davon betroffen. Drei Objekte wurden von Stettin nach Güstrow verlegt: ein Heeresverpflegungsamt, ein Heereszeugamt (HZA) und ein Heeresmunitionsamt (Muna). Für den Bau dieser Heeresmunitionsanstalt erwarb der Reichsfiskus 1934 etwa 210 Hektar des PRIMERWALD von der Stadt Güstrow. In den folgenden 2 Jahren entstanden unter der Bauleitung des Major Passow versteckt im Wald etwa 100 Hallen und Gebäude für Fertigung und Befüllung von Granaten. Für die Lagerung baute man etwa 120 bombensichere Erdbunker mit den Massen 10 mal 8 Meter. Einen Grossteil der Erdarbeiten verrichtete der Reichsarbeitsdienst (RAD), dessen Mitglieder in einem Wohnlager in Dettmannsdorf untergebracht wurden. Für das Stammpersonal, dass aus Stettin nach Güstrow versetzt wurde, entstanden im Primerwald auch Wohnhäuser. Die Muna erhielt ein eigenes Eisenbahn-Anschlussgleis, das über einen zweigleisigen Verschiebebahnhof am Haupteingangstor der Muna bis weit in das Objekt reichte. Dort unterteilte sich das Gleis in drei Haupstränge die dann in 11 Endgleisen an diversen Gebäuden mit Verladerampe endeten. Dazu kam eine innerbetriebliche Gleisanlage im Bereich der Geschossfüllung, auf der Feldbahnloren per Hand verschoben wurden. Für diese Schwerstarbeit wurden zunächst Häftlinge aus dem Zuchthaus Bützow herangezogen, später kamen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene zum Einsatz. Alle Bereiche der Muna waren zudem durch ein Betonstrassensystem mit einander verbunden.

Hauptbereiche der Muna  
Geschossfüllanlage 3 Füllstationen zum Füllen der Granaten mit Sprengstoff
Fertigung Patronierung der Granaten, Endabnahme, Verpackung, Fertigung der Zünder
Lager Einlagerung der angelieferten Rohmaterialien, Einlagerung der gefertigten Munition / Versand
Wirtschaft/Technik Schmiede, Schlosserei, Tischlerei, Garagen, Stalldienst, Versorgung mit Strom und Wärme, Reparaturen
Verwaltung Wach- und Schutzdienst, Hausmeister, medizinisches Personal


Die Muna produzierte für das deutsche Heer patronierte Munition für Flugabwehrkanonen (FLAK) mit einem Kaliber von 88 und 105 mm. Die volle Fertigungskapazität wurde 1938 mit 600 Mitarbeitern erreicht, darunter 40 Feuerwerker die als Fachkräfte die Fertigung und Lagerung der Munition verantworteten. Um den Munitionsausstoss zu erhöhen, wuchs die Zahl der Beschäftigten bis zum Kriegsende auf nahezu 2000 an. Zur Arbeit in der Muna wurden nun dienstverpflichtete Frauen, nicht kriegsverwendungsfähige Männer, Zuchthaushäftlinge aus Bützow und zunehmend Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene aus dem Ausland eingesetzt. Letztere wurden nicht nur vorrangig bei besonders schweren Arbeiten eingesetzt, sondern auch bei den gesundheitsschädigenden Arbeiten im Bereich der Sprengstoffproduktion.  Untergebracht wurden die zusätzlichen Arbeitskräfte ausserhalb der Muna. Für dienstverpflichtete Frauen entstand ein Wohnlager mit 10 Baracken und einem Sozialgebäude mit Küche und Speisesaal direkt im Wald davor. 1943 kamen 2 weitere Baracken für sowjetische Zwangsarbeiterinnin dazu. Ein ähnliches Frauenwohnlager befand sich in MÜHL ROSIN beim SCHABERNACK. Ein weiteres Wohnlager mit 3 Baracken Kriegsgefangene aus Frankreich, Serbien und der Sowjetunion entstand östlich der Muna in Richtung des Dorfes GREMMELIN. Die dort untergebrachten Kriegsgefangenen arbeiteten nicht nur in den Füllstationen der Muna, sondern auch auf den umliegenden Gütern. Weitere Kriegsgefangene waren in einem Barackenlager am Heereszeugamt untergebracht, das auch auf diese Arbeitskräfte zurückgriff. Bewacht wurde die Anlage zunächst durch ein zivilen Wachschutz. Erst mit Beginn des Krieges setzte man dafür 2 Kompanien Landesschützen ein, einer Infanterieeinheit des Heeres bestehend aus älteren Jahrgängen. Diese etwa 200 Mann waren in 10 Holzbaracken an der Mittelschneise am Bahnhof untergebracht.

Nordtor der Muna um 1940

Das tief im Wald gelegene und durch zahlreiche Tarnmassnahmen gut versteckte Objekt entging scheinbar der Luftaufklärung der Alliierten. Man geht heute davon aus, dass der Luftangriff im April 1945 der das Heereszeugamt völlig zerstörte, eigentlich der Muna galt. Zu dieser Zeit hatte die Muna aber schon die Produktion eingestellt. Ende April wurden die Einwohner evakuiert. Die Offiziere und Landesschützen versuchten sich nach Schleswig-Holstein abzusetzen, um der Gefangennahme durch russische Truppen zu entgehen; es gab keinerlei Massnahmen zur Verteidigung des Objektes.

Diese frühe Karte zeigt im oberen Bereich das Anschlussgleis von PRIMERBURG und schon einige der Gebäude.

Nach dem sowjetischen Einmarsch wurde das Gelände zunächst vollständig von den Truppen der Roten Armee übernommen. In den folgenden Jahren bis 1949 versuchte die sowjetische Administration das gesamte Areal systematisch zu beräumen. Der Grossteil der auffindbaren Munition und Sprengstoffe wurde geborgen und auf einer Koppel bei GREMMELIN zur Explosion gebracht. Ein kleinerer Teil ging als Reparation in die Sowjetunion. Wie auch nahezu vollständig alle hochwertigen Materialien und technischen Einrichtungen. Zur Gewinnung von Baumaterialien wurden nahezu sämtliche oberirdischen Gebäude abgerissen. Fast alles wurde über das Anschlussgleis und dann über den Bahnhof Priemerburg abtransportiert. Als letztes folgte der komplette Abbau der Gleise, die auch in die Sowjetunion gebracht wurden.

Ab Mitte 1949 baute die DDR das Gelände als Offiziersschule für die spätere kasernierte Volkspolizei (Vorläufer der Nationalen Volksarmee) wieder auf. 1953 wurde diese Einrichtung jedoch wieder abgezogen und die sowjetischen Truppen übernahmen etwa 100 Hektar der alten Muna im nördlichen Bereich. Hier entstand in den folgenden Jahren eine Stadt im Wald, zum Teil auf den alten Fundamenten: Kasernengebäude, Unterstellhallen für Panzer und Fahrzeuge, mehrere Wohnblöcke, Kino usw. Im südlichen Bereich entstand für die spätere Nationale Volksarmee ein Munitionsdepot aus zahlreichen bombensicheren Lagerhäusern und Bunkern.

Wie bei allen militärische Objekten aus dieser Zeit haben kaum private Aufnahmen die Zeiten überstanden:

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