Vor dem Ortseingang der Stadt GÜSTROW, unweit der heutigen Chaussee in Richtung STERNBERG und SCHWERIN liegt auf einer Anhöhe das Landgut "Villa Maria", manchmal auch einfach nur "Villa Marie" genannt. 1877 taucht diese Bezeichnung erstmals in einem Adressbuch auf. Der erste Ausbau des Haupthauses zur spätklassizistischen Villa erfolgte wohl ab 1875 für den Schriftsteller Wilhelm Paul Graff (1845-1904). Graff war 1885 erster Übersetzer von Leo Tolstois Roman Anna Karenina ins Deutsche. Er verfasste auch Dramen, epische Dichtungen und Jugendliteratur. Vermutlich wurde erst nach seinem Tod unter dem Besitzer A. Winkelmann in Villa Maria ein Kaffeegarten eingerichtet. Durch die schöne Lage im Hügelland zwischen mehreren kleinen Seen entwickelte sich das Lokal zu einem beliebten Ziel der Sonntagsspaziergänger. Diese Ära endete um 1920, als der Produktenhändler Carl Friedrich Voß (1878-1939) das Anwesen erwarb. Bereits sein Vater Heinrich Voß (1852-1913) hatte es mit dem Sammeln und dem Weiterverkauf von Altwaren (vornehmlich Lumpen, Alttextilien, Knochen und Papier) zu einigem Wohlstand gebracht. Umgangssprachlich war das Unternehmen den Güstrowern lange unter dem Namen "Lumpen-Voß" oder auch "Plünnen-Voß" ein Begriff. Wohnung und Firma hatte sich ursprünglich in der SCHWERINER STRASSE 24 (der heutigen Nummer 41) befunden. Nachdem "Villa Maria" 1924 durch den Güstrower Architekten Martin Eggert in expressionistischem Stil umgebaut und modernisiert worden war, zog Carl Friedrich Voß mit seiner Familie in das Anwesen vor der Stadt. Nach seinem Tod bewirtschaftete sein Sohn Heinz Voß das Gut und führte den Lumpenhandel weiter. Im Mai 1945 wurden die Familie durch die russische Besatzungsmacht aus "Villa Maria" vertrieben. Sie wohnten zunächst wieder in der Schweriner Strasse, bevor sie 1953 in den Westen gingen. Bereits 1952 war die Familie enteignet worden. Das Haus nutzte man über die DDR-Jahre weiter zu Wohnzwecken. Die Gebäude des Gutes wurden von einer LPG bewirtschaftet und zum Teil ausgebaut. 1995 erfolgte die Rückgabe des Hauses an die Erben, die das Anwesen in den folgenden Jahren sanierten.

Ansichten:
1912
1918

 

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