Die Stadt Güstrow blieb während des II.Weltkrieges, anders als die weiter nördlich gelegene Hafen- und Industriestadt Rostock, von großen Bombenangriffen weitgehend verschont. Der einzige großangelegte Luftangriff auf Güstrow erfolgte am 7. April 1945, ansonsten kam es nur zu gelegentlichen Angriffen durch Tiefflieger und Nachtjäger z.Bsp. auf das Bahnhofsareal.

Die Ausführung dieses Luftangriffs oblag der 1942 gegründeten Unites States 8th Air Force. Die Ziele dieser Mission sind typisch für die letzten Kriegstage: man konzentrierte sich auf Flugplätze und Munitionsdepots um damit den Nachschub für die verbliebenen deutschen Truppen zu stören. Ziele dieser Mission 931 waren die Flugplätze bei Kaltenkirchen und Parchim, ein Öl-Depot bei Büchen, eine Munitionsfabrik bei Düneburg, das Munitions-Depot bei Güstrow und weitere ähnliche Objekte. Als Ausweichziele, sogenannte Secondary Targets, wählte man u.a. den Güterbahnhof Schwerin, den Rangierbahnhof von Neumünster und einen Flugplatz bei Salzwedel.

 
schematische Übersicht der Ziele der Mission 931 vom 7. April 1945 (schraffierte Pfeile)  

Insgesamt starteten am Morgen dieses 7. April 1945 1304 Bomber B-17 und B-24 in Begleitung von 792 Mustang- sowie 58 Thunderboltjägern mit etwa 14.000 Mann an fliegendem Personal von Stützpunkten in Südengland zu einem der letzten Einsätze dieser Größenordnung auf Deutschland. Es ging über die Nordsee in Richtung Deutschland, wo das Steinhuder Meer angesteuert wurde. Hier teilten sich die Maschinen auf und flogen ihre Einsätze in Richtung Sachau, Stendal, Gardelegen, Dömitz, Parchim, Güstrow und Neumünster. Diese Mission erlangte nach dem Krieg eine gewisse Bekanntheit, weil die deutsche Luftwaffe an diesem Tag das einzige Mal das sogenannte Sonderkommando Elbe gegen die amerikanischen Flugzeuge einsetzte. Die 184 Jadgflugzeuge dieses Kommandos sollten gegnerische Bomber durch Rammen in der Luft vernichten. Bei den Maschinen wurden die Waffen, die Panzerung um den Pilotensitz, der Sender und anderes entfernt. Es verblieb nur ein 13-mm-Maschinengewehr mit 50 Schuss Munition. Dies geschah, um die Flugzeuge leichter und wendiger zu machen, um die Gipfelhöhe auf 10.000 m Höhe zu erweitern und um Material zu sparen. Die deutschen Rammjäger unterschieden sich von den japanischen Kamikaze durch die theoretische Möglichkeit, nach dem Zusammenstoß mit dem Fallschirm aussteigen zu können. Das Rammen selbst war als einzige Möglichkeit vorgesehen, da die Rammflugzeuge praktisch keine Bewaffnung zum Führen von Luftkämpfen hatten. Über dem Steinhuder Meer wurden auf diese Weise 23 Bomber der Mission 931 zum Absturz gebracht.

Die für die Angriffe in Mecklenburg vorgesehenen Flugzeuge des 4th und 93d Combat Bombardment Wing erreichten ihr Zielgebiet ohne große Verluste. Der Angriff auf den Flugplatz in Parchim musste jedoch wegen einer zwischenzeitlich aufziehenden Wolkendecke abgebrochen werden, so das ein Teil der Bomber als Ausweichziel den Schweriner Güterbahnhof ansteuerte. Allerdings wurde dieses Ziel völlig verfehlt und statt dessen ein Wohngebiet in der Feldstadt getroffen. Dabei kamen 224 Schweriner ums Leben.

Gegen 13:40 Uhr erreichten 108 Bomber des Typs Boeing B-17 Flying Fortress Güstrow. 4 vorausfliegende sogenannte Pathfinder Maschinen markierten mit Magnesium Leuchtzeichen das Zielgebiet. Insgesamt wurden 1084 Bomben zu 250 kg und 500 kg auf das Heereszeugamt in Primerburg abgeworfen, welches völlig zerstört wurde. Es wird vermutet, dass eigentlich die Munitionsfabrik (MUNA) Ziel des Angriffs sein sollte; die lag aber gut getarnt im PRIMERWALD und wurde nicht getroffen. Auch die Gleisanlagen der nahe vorbeiführenden Bahnlinie nach Neubrandenburg und Pritzwalk, sowie der Bahnhof PRIMERBURG wurde stark beschädigt. Auch ein Personenzug mit Beschäftigten der MUNA geriet in den Angriff, es gab auch hier zahlreiche Tote und Verwundete. Die Isolatoren und Kabel der nahegelegenden Hochspannungsleitung wurden ebenfalls durch Bombensplitter zerstört und so die Stromversorgung der Stadt unterbrochen. Exakte Angaben zu Toten und Verletzten liegen derzeit nicht vor. 

amerikanische Luftbilder vom Angriff auf Primerburg

 

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